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Stethoskop
Behandlung in einem zertifizierten Brustkrebszentrum
Zur Behandlung von Brustkrebs erfolgt eine Operation. Vor und nach der Operation können ergänzend Strahlentherapie oder systemische Therapien zum Einsatz kommen.
Zertifiziertes Brustkrebszentrum

Behandlung in einem zertifizierten Brustkrebszentrum

Auch für die Behandlung in einem zertifizierten Brustkrebszentrum gilt, dass hier alle Fäden der Therapie zusammenlaufen. Das bedeutet, dass die Behandlung durch mehrere Fachleute aus verschiedenen Fachbereichen durchgeführt wird. Diese Treffen sich regelmäßig in den sogenannten Tumorkonferenzen, tauschen sich aus und planen die Behandlung gemeinsam. So fließen Kompetenz und Erfahrung in einem zertifizierten Brustkrebszentrum aus mehreren Seiten zusammen.

Operation zur Behandlung von Brustkrebs

Das Ziel der Operation zur Behandlung von Brustkrebs ist die vollständige Entfernung des Tumors. Dies kann man mit einer Operation an der Brust nur dann erreichen, wenn der Krebs nicht in entfernte Körperregionen gestreut hat. In einem zertifizierten Brustkrebszentrum müssen die Chirurgen für die Zertifizierung eine entsprechende Expertise vorweisen. Diese wird nachgehalten, indem der Chirurg jährlich mindestens 50 Brustoperationen nachweisen muss. Diese Bei der Operation gibt es zwei Alternativen.

Brusterhaltende Operation

Bei der brusterhaltenden Operation kann der Tumor aus der Brust vollständig entfernt werden, ohne das die Brust amputiert werden muss. Diese brusterhaltende Operation mit anschließender Bestrahlung ist mit der Brustamputation (also der sogenannten modifiziert radikalen Mastektomie) gleichwertig, was die anschließenden Überlebenschancen betrifft. Daher sollte die Patientin sich über beide Möglichkeiten aufklären lassen. Wenn der Tumor für eine brusterhaltende Operation zunächst zu groß ist, kann er unter Umständen mit Medikamenten verkleinert werden. Doch nicht bei allen Patientinnen kommt eine brusterhaltende Operation infrage. Bei der Operation sollte beim Herausschneiden ein Sicherheitsabstand von mindestens einem Millimeter zwischen dem Karzinom und dem gesunden Gewebe eingehalten werden, damit an dieser Stelle nichts nachwächst.

Brustamputation

Eine Brustamputation, auch modifiziert radikale Mastektomie genannt, ist in manchen Fällen unumgänglich. Gründe dafür sind z. B.:

  • Der Tumor ist zu groß
  • Das Karzinom oder mehrere Karzinome treten an verschiedenen Stellen der Brust auf (Multizentrizität)
  • Der Tumor konnte bei vorangegangenen Brustoperationen nicht vollständig entfernt werden
  • Es liegt ein inflammatorisches, also entzündliches Karzinom vor (auch nach erfolgtem Versuch, dies mit Medikamenten zu beheben)
  • Das Operationsergebnis würde bei brusterhaltender Operation voraussichtlich kosmetisch nicht befriedigend ausfallen
  • Eine Nachbestrahlung nach der brusterhaltenden Therapie ist nicht möglich
  • Es ist der Wunsch der Patientin

Entfernung der Lymphknoten

Bei den meisten Operationen zur Behandlung von Brustkrebs werden ein oder mehrere Lymphknoten in der Achsel mit entfernt. Anhand einer feingeweblichen Untersuchung der Lymphknoten lässt sich erkennen, ob der Krebs sich ausgebreitet hat. Eine besondere Rolle spielen die sogenannten Wächterlymphknoten (Sentinellymphknoten). Der Lymphabfluss aus der Brust erreicht diese zuerst, daher sind die Wächterlymphknoten bei einer Ausbreitung meist zuerst vom Krebs befallen. Haben sie noch keinen Befall, kann meist auf die Entfernung weiterer Lymphknoten verzichtet werden. Wird ein Befall festgestellt, müssen weitere Lymphknoten entfernt werden, weil sonst von hier aus der Krebs weiter wachsen könnte.

Strahlentherapie bei Brustkrebs

Nach einer brusterhaltenden Operation findet eine Bestrahlung der Brust statt. Diese Bestrahlung sollte die gesamte Brust und die angrenzende Thoraxwand betreffen. Auch nach einer Mastektomie sollte laut Leitlinie eine Bestrahlung der Brustwand erfolgen, um das Risiko eines Rückfalls zu verringern. Eine Bestrahlung der Achsel wird nur empfohlen, wenn dort ein Resttumor verblieben ist oder ein eindeutiger Befall festgestellt wurde und die Lymphknoten nicht entfernt wurden.

Im fortgeschrittenen Stadium wird in der Regel zunächst eine systemische Therapie, also eine Behandlung mit Medikamenten, die im gesamten Körper wirken, durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern. Im Anschluss erfolgt die Operation und eine postoperative Strahlentherapie. Wenn durch die systemische Therapie ein Tumor nicht so verändert werden kann, dass er operabel wird, kommt auch eine Bestrahlung als alleinige Therapie infrage. Hormonelle Therapien können mit der Bestrahlung kombiniert werden, ebenso in bestimmten Fällen eine Antikörpertherapie.

Systemische Behandlung von Brustkrebs

Die Behandlung von Brustkrebs kann auch systemisch erfolgen, also mit Wirkstoffen, die im ganzen Körper wirken. Die systemische Behandlung wird meist vor oder nach der Operation durchgeführt. Formen der systemischen Behandlung sind:

  • Chemotherapie
  • Anti-HER2-Antikörpertherapie
  • endokrine (hormonelle) Therapie

Chemotherapie

Manchmal ist ergänzend zur Operation eine Chemotherapie notwendig, um die Krebszellen zu bekämpfen. Hier werden Medikamente verabreicht, sogenannte Zytostatika. Diese Therapie kann vor der Operation (neoadjuvant) oder nach der Operation (adjuvant) angewandt werden. Vor der Operation soll sie möglichst für eine Verkleinerung des Tumors sorgen. Im Anschluss an die Operation dient sie der Vorbeugung eines Rückfalls.

Antihormontherapie

Es gibt viele Formen von Brustkrebs, die empfindlich auf Hormone reagieren. Ihr Wachstum wird in diesen Fällen von weiblichen Geschlechtshormonen angeregt. Das ist vor allem bei Frauen in den Wechseljahren häufig der Fall. Wenn die Krebszellen Andockstellen für Hormone haben, bietet sich eine Antihormontherapie an. Die Medikamente sorgen dann für eine Blockierung des hormonabhängigen Tumorwachstums.

Anti-HER2-Antikörpertherapie

Es können auch Anti-HER2-Antikörper verabreicht werden. Bei etwa 20 Prozent aller Patientinnen mit Brustkrebs entstehen an den Tumorzellen zahlreiche HER2-Rezeptoren an der Oberfläche. Dann ist das Karzinom HER2-positiv. Die Antikörper können hier helfen, indem sie Wachstumssignale hemmen. Die Therapie kann bis zu einem Jahr dauern und vor oder nach der Operation erfolgen.

Fedor Singer